Archive for the Träume eines Unsterblichen Category

Vergiss mich nicht, hörst du?

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , , on 20. Februar 2011 by JohnMcCloud

„Mein lieber Bruder!“
Der Ruf ertönt hinter ihm, als er sich durch die Menschenmenge der Kleinstadt schiebt. Zuerst bemerkt Kaim nicht, dass er gemeint ist, und setzt seine Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit fort. Aber der Ruf erklingt erneut, hängt sich gerade an ihn: „Mein lieber Bruder! Großer Bruder!“ Es ist verwirrend. Er war zuletzt vor achtzig Jahren in dieser Stadt. Es kann niemanden hier geben, der ihn kennt.
„Warte, großer Bruder! Geh nicht fort!“ In seine Verwirrung beginnt sich ein unheimliches Gefühl zu mischen, denn die Stimme, die ihn mit „großer Bruder“ anspricht, kann nur einer alten Frau gehören. Weiterhin auf der Hut, dreht er sich langsam um.
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Der redselige Söldner

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , , on 22. Juli 2010 by JohnMcCloud

Die Bollwerke werden an den Feind fallen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Sie werden im Morgengrauen angreifen. Die Hauptmacht der verbündeten Streitkräfte hat sich bereits weit von der Front zurückgezogen. Nur die Söldner sind noch hinter der Barrikade, mit dem Befehl, sie bis in den Tod zu verteidigen. Diese Männer, die von Schlachtfeld zu Schlachtfeld gezogen sind, wissen genau, was das bedeutet.

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Ein Leben im Bunker

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , , on 6. Mai 2010 by JohnMcCloud

Dunkelheit umgibt ihn.
Es ist eine eingeschlossene Dunkelheit, der im Unterschied zur Dunkelheit der Nacht jegliche Tiefe und Weite fehlt. Er hört, wie eine schwere Tür ächzend aufgestoßen wird.
Ein Lichtstrahl schießt hinein, der jedoch verschwommen wirkt. Doch Augen, die nur an die Dunkelheit gewöhnt sind, nehmen selbst diesen schwachen Schimmer als blitzendes Feuerwerk wahr.
„Bitte nicht! Ich flehe euch an! Lasst mich hier raus!“
Das Schreien eines jungen Mannes hallt durch die Stille.
Er erhält keine Antwort.

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Die Stromaufwanderer

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , , , on 27. Mai 2009 by JohnMcCloud

Schon immer sind starke Winde über diese weite Grasebene geweht. Die Windrichtung bleibt immer die gleiche, unabhängig von Tages- oder Jahreszeit: von Osten nach Westen, vom Horizont, wo die Sonne aufgeht, zum Horizont, wo die Sonne untergeht. Vielleicht hat die Topografie der Gegend etwas damit zu tun.

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Die kleine Lügnerin

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , , on 20. Mai 2009 by JohnMcCloud


Jeder auf dem Markt hasst das kleine Mädchen. Sie ist noch keine zehn Jahre alt und hat noch nichts von der Unschuld der Kindheit verloren, und doch wird ihr von den Erwachsenen, die auf dem Markt ihre Stände haben, nur offenes Misstrauen entgegen gebracht. Der Grund dafür ist einfach. Sie erzählt immer nur Lügen.

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Eine Mutter kommt heim

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , , , , , on 18. April 2009 by JohnMcCloud


Der Junge hat sein Lächeln verloren, auch wenn er es leugnet. „Erzähl doch keinen Quatsch, Kaim. Schau, ich lächle doch, oder?“ Er zieht die Wangen zurück und lässt seine weißen Zähne vor der dunklen Haut leuchten. „Wenn das kein Lächeln ist, was dann?“ Kaim nickt, sagt aber nichts. Er tätschelt dem Jungen die Schulter, wie um zu sagen „Ja, sicher.“
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Im Geist eines Gefangenen

Posted in Träume eines Unsterblichen with tags , on 18. April 2009 by JohnMcCloud


Er  weiß, dass es sinnlos ist. Aber er kann den Drang, der tief aus seinem Innern hervorbricht, nicht unterdrücken. Er muss es einfach tun – sich mit seinem ganzen Körper gegen die Gitterstäbe werfen. Dabei hilft es ihm überhaupt nicht. Jedes Mal prallt sein Fleisch von den dicken Eisenstäben wieder ab. „Nummer 8! Was zum Teufel treibst du?!“ Der wütende Schrei des Wachmanns hallt von den Wänden wider. Die Gefangenen werden nie bei ihrem Namen gerufen, sie sind lediglich Nummern, Zellennummern. Kaim ist Nummer 8.
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